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„Alte Bande“ von Cornelia Kazis und Bettina Ugolini

Wie kann es Eltern und Kindern gelingen, in späten Jahren eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen? Wie kann man als Sohn oder Tochter für die alten Eltern da sein und ihnen helfen, ohne sich selbst zu überfordern? Diesen Themen widmet sich das Buch „Alte Bande“. Es bietet etliche Beispielfälle – erklärt und kommentiert von den Autorinnen. Der Ratgeber lädt zum Nachdenken und Neudenken ein – und gibt viel Anregung für die eigenen Beziehungen zu Eltern oder Kindern.
Literaturempfehlung

Worum geht es?

Die Menschen leben immer länger und werden im Schnitt immer älter. Klingt erstmal wunderbar. Aber diese gesellschaftliche Entwicklung bringt auch Herausforderungen mit sich. Die Autorinnen Cornelia Kazis und Bettina Ugolini widmen sich in ihrem Buch „Alte Bande“ den familiären Herausforderungen. „Noch nie zuvor im reichen Westen dauerte das Miteinander von Kindern und ihren Eltern so viele Jahre wie heute“, schreiben sie.

Kazis und Ugolini erläutern verschiedene Konfliktfelder, die in späteren Lebensjahren oft auftreten. Dazu nutzen sie vielfältige Beispielfälle. Da ist die 48-jährige Tochter, die die zunehmende Hifllosigkeit und Anhänglichkeit der Eltern beobachtet und sich Sorgen macht. Oder die 88-Jährige, die im Alltag nicht mehr gut zurecht kommt und das Bemühen der Kinder als Einmischung abwehrt. Es sind diese authentischen und ehrlichen Situationen, die sicher vielen Lesenden bekannt vorkommen. Etliche Beispiele stammen aus der Beratungspraxis von LiA, der Zürcher Beratungsstelle für das Leben im Alter. Bettina Ugolini ist Psychologin und leitet die Beratungsstelle. Cornelia Kazis ist erfahrene Journalistin und Sachbuchautorin.

Das Autorinnen-Duo beleuchtet anhand der Beispiele verschiedene Themen, die in der Begleitung und Pflege der Eltern auftreten können. Sie ergreifen dabei jedoch keine Partei. „Vielmehr geht es uns darum, das Geschilderte aus zwei Perspektiven zu verstehen: aus derjenigen des Kindes und aus der derjenigen des betagten Elternteils“, erklären sie.

Kazis und Ugolini erläutern, was es mit filialer und parenteraler Reife auf sich und wie sich die Rollen verändern. Das Buch ist ein umfassendes Nachschlagewerk rund um Themen, die Kinder und Eltern in späteren Jahren beschäftigen wie dem Autofahren, Einzug in ein Heim, Verlust eines Partners. Auch Tabu behaftete Themen wie Ekel, Schuld, Enthemmung oder Todeswunsch stellen sie dar und bieten Angehörigen wertvolle Unterstützung.

Darum ist es lesenswert:

Zwischen alten Rollen und neuen Wegen, zwischen Unterstützung und Überforderung, zwischen Autonomie und Pflichtgefühl – die Fürsorge und Pflege eines Elternteils bringt viele widersprüchliche Gefühle mit sich. Cornelia Kazis und Bettina Ugolini benennen diese offen und liefern psychologische Hintergrundinformationen. Als Angehörige fühlt man sich verstanden und gesehen – und ermutigt. Die Autorinnen laden ein zum Perspektivenwechsel, der eine neue Sicht der Dinge ermöglicht. Beim Lesen wird deutlich, dass im Miteinander in dieser Lebensphase etliche Hürden stehen – und dass es auch eine Chance sein kann. Wie das gehen kann, dazu geben die Expertinnen gute Anregungen.

„Alte Bande“ von Cornelia Kazis und Bettina Ugolini
Xanthippe Verlag, 2023
ISBN: 978 3 905795745

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